Hippocampus Nederland
HippoCampus
Instituut voor Equitherapie en Hippische Sportpsychologie
 

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Happy Athlete

Happy oder nicht Happy, das ist hier die Frage???? (Erkennen wie das Pferd sich fühlt)

Harmonie: Konflikt zwischen Kontrolle und Zusammenarbeit

Im Spitzensport findet gerade  eine Diskussion statt, im Rahmen derer  sich die FEI  und eine FN Kommission damit beschäftigen, was man  einem Spitzensportpferd im Training abverlangen darf ohne es vom Happy Athlete zum Unhappy Athlete zu machen. Hier stellen sich durch die Abhängigkeit des Pferdes von seinem menschlichen Partner viele, nicht zuletzt auch ethische,  Fragen, die auch im menschlichen Spitzensport immer wieder aktuell sind. Etwa wo es um minderjährige Spitzenathleten geht, die abhängig von ihren ehrgeizigen Ratgebern  in manchmal unverantwortlichen Leistungsstress getrieben werden, wie etwa jungen Turner, Schwimmern oder  Eiskunstlaufkindern,

Aber  auch gerade im Freizeit und Hobby Bereich sollten sich Reiter kritisch damit beschäftigen, woran sie die Befindlichkeit ihres Pferdes erkennen können. Denn niemand, der sein Pferd als Partner betrachtet, ob  er nun gerne Ausritte macht, an Turnieren teilnimmt oder Western reitet, will doch gerne mit einem „unglücklichen“ Partner zusammen sein, der sich nicht wohl fühlt oder gar jedes Mal Stress erlebt, wenn er geritten wird.

Für Dr.Ulrike Thiel gehört die Frage des Happy Athlets mit zu einem größeren Themenkomplex im Rahmen der psychologischen Beziehung Mensch - Pferd. Wobei es sich um das immer wiederkehrende Dilemma des Menschen zwischen Kontrollbedürfnis und Partnerschaft zwischen zwei ungleichen Wesen dreht.

Lernen vom Therapiepferd, Schulpferd, Sportpferd

Für Dr.Ulrike Thiel ist die Befindlichkeit des Pferdes ein sehr wichtiger Faktor in der  Zusammenarbeit mit ihren vierbeinigen Arbeitspartnern. Ihre sieben Pferde, die sie selbst (klassisch) ausgebildet hat  und die in artgerechter Haltung bei ihr leben, setzt sie als Lehr – und Therapie- und Kurspferde (bis vor kurzem auch Turnierpferde)  ein, mit dem Ziel etwas zu  einem harmonischen Zusammenspiel zwischen diesen beiden Lebewesen  Mensch und Pferd beitragen zu können. Sie ist Equitherapeutin,  Ethologin, Psychologin und Reitlehrerin und hat sich auf die psychomotorischen Faktoren im Zusammenwirken von Mensch und Pferd spezialisiert. Hierbei hat ihr nicht zuletzt auch ihre langjährige Forschungstätigkeit  zum Thema menschliche und tierische Lernprozesse geholfen. Harmonie zwischen Mensch und Pferd  und eine Objektivierung diese Begriffes liegen ihr sehr am Herzen. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Equitherapeutin  und Reitlehrerin hat sie vor allem gelernt die vielen Signale die das Pferd  aussendet auch empfangen und übersetzen zu können und hat seither auch im eigenen Reiten und Lehren viel davon profitiert. Ich beobachte meine Pferde nicht nur während der Arbeit, sondern auch in der Zeit zwischendurch. Wie geht das Pferd in de Weide zurück, lässt es sich gerne zur Arbeit holen. Wie steht es vor und nach dem Training auf dem Putzplatz. Muss es sich nach dem Training in der Weide durch Bewegung oder Aggression nach anderen Pferden hin abreagieren. Verändert es sein normales Verhalten in der Gruppe. Zieht es sich zurück…….. Dies ist natürlich nicht möglich wenn ein Pferd 24 Stunden am Tag in der Box steht.

Signale wahrnehmen, Missverständnisse vermeiden

Leider erlebt der Normalreiter, der in einer Reitschule beginnt nicht direkt das Bild des harmonisch sich unter dem Reiter bewegenden und zufriedenen Pferdes. Meist sieht er Schulpferde, die sich mit dem Unvermögen der „Auszubildenden“ Reiter  arrangieren müssen. Auch haben wenige Reiter die Chance um Pferde in de Herde beobachten zu können und so ein „inneres Bild“ des zufriedenen Pferdes und seiner Verhaltensäusserungen  entwickeln zu können. Auch im – selbst Spitzen- Sport  sieht man Bilder, die von Harmonie und „Happiness“ des Pferdes  weit entfernt sein können. Und so können sehr hartnäckige Missverständnisse darüber entstehen wie ein zufriedenes in Harmonie mit seinem Reiter sich befindendes Pferd aussieht.

Die Psychologie der Pferde-Mensch Beziehung

Ulrike Thiel vertritt  die Auffassung, dass viele Missverständnisse zwischen Reiter und Pferd vermieden werden könnten, wenn wir menschliche Partner die Körpersprache des  Pferde  besser verstehen und  deuten könnten, ohne es zu vermenschlichen und ohne sie aus menschlicher Sicht zu bewerten.  Dies gilt für den Freizeitbereich und den therapeutischen Bereich genauso wie für den Spitzensport. Es ist manchmal geradezu überraschend, wie viele Menschen mit den besten Vorsätzen ihrem vielgeliebten, teuren Pferden, für die sie bereit sind sehr viel an Geld, Zeit und Energie zu opfern, sehr viel antun können, ohne sich dessen  bewusst zu sein. Im Verhältnis von Mensch und Pferd kommen sehr viele „eigenartige“ psychologische Mechanismen zum tragen über die man Bücher schreiben könnte.

Pferde spiegeln ihre Reiter:

Das Wissen über diese Mechanismen und Prozesse macht den Einsatz des Pferdes als Co-Therapeut möglich, da Pferde durch ihr sehr gut entwickeltes soziales „Gespür“ in der Lage sind, unsere wahren Impulse sehr genau anzufühlen. Sie spüren instinktiv was jemand tatsächlich meint und will, auch weiß er das vielleicht in diesem Augenblick selbst nicht. Pferde fühlen  versteckte Aggression und reagieren sehr klar darauf. Sie spüren Unsicherheit, Dominanzsstreben genauso wie  Entspannung, Sicherheit und vollständige Zuneigung und spiegeln diese klar in ihrem eigenen Verhalten. Was in der Therapie erwünscht ist kann im Sport  sehr konfrontierend für den Reiter werden. Schon Goethe hat klar erkannt: ……Pferd und Reiter verschmelzen so ineinander, dass  man  nicht weiß, wer den anderen erzieht !……..

Das Pferd nicht vermenschlichen:

Es gibt viele „normale und pathologische“ Gründe die das Verhältnis von Mensch und Pferd trüben können. Ohne uns in diesen Aspekt  vertiefen zu wollen (.viele wissenschaftliche Arbeiten werden hierüber in der ganzen Welt veröffentlicht), kann man sich vorstellen, dass auch innerhalb einer „normalen“  Pferde Menschbeziehung ohne therapeutischen Hintergrund solche Aspekte im Hintergrund zum Tragen kommen. Dass „negative“ Signale des Pferdes als persönliche Abneigung gedeutet werden und Versuche des Pferdes ihr eigenes Gleichgewicht bewahren zu können als vorsätzlich böswillige Versuche interpretiert werden um dem Reiter zu schaden oder „ihn auszuprobieren“. Man hört dann häufig auch „wie undankbar “ oder „er will nicht für mich arbeiten“.

Außerdem ist es für den Menschen als Spezies, die geradezu dafür prädestiniert ist um kontrollieren zu wollen schwer zu akzeptieren, dass das Pferd eben nicht 100% kontrolliert werden kann.

Pferde wollen Klarheit und Harmonie mit der Gruppe:

Pferde wollen eigentlich nur eines:  so harmonisch wie möglich in ihrem sozialen Umfeld funktionieren können. Sie halten sich innerhalb der Herde gerne an die Anweisungen des Bosses oder ranghöheren Kollegen, da diese sehr klar, ohne Wertung und funktionell sind.  Dies auch im Zusammenspiel mit dem Menschen wenn es ihm gelingt in seinen Anweisungen ebenso klar, funktionell und wertfrei zu sein. In ihrer Praxis als Reitlehrerin erlebt Dr.Thiel auch häufig, wie Reiter ihrem Pferd menschliche Motive andichten und leider auch häufig die Signale falsch interpretieren oder auf sich selbst beziehen. Kein Pferd zieht am Zügel um seinem Reiter das Leben schwer zu machen oder steht nicht still, wenn es sich aufregt, um es „dem Reiter zu zeigen“. Häufig tut es nicht was der Reiter erwartet, weil er ihm schlicht einander widersprechende oder unklare Hilfen gibt und es nicht versteht was es tun soll. Oder aber es ist (noch) nicht imstande  das zu tun, was von ihm verlangt wird. Da das Pferd aber sehr sozial und harmonisch eingestellt ist, können solche Missverständnisse Unsicherheit bis Stress beim Pferd verursachen.

Frustration auf Menschenseite:

Vom Boden aus ist es meist leichter, zu einer sinnvollen Kommunikation zu kommen, da wir Menschen dann mit beiden Beinen geerdet sind (also auch niemand mit uns weglaufen kann), und nicht so sehr mit unserer eigene Körperbeherrschung zu kämpfen haben. Als psychomotorischer Therapeut weiß Ulrike Thiel  wie schwierig der Lernprozess des Reiters ist. Es gilt seine eigene Asymmetrie (Rechts- oder Linkshändigkeit) zu überwinden, sein eigenes Körperschema neu zu eichen  und das Eingehen auf die Bewegung eines anderen zu erlernen. Wobei es ihm vor allem schwer fällt die Kontrolle bis zu einem Gewissen Grad los zu lassen. Dazu kommt noch seine eigenen Impulse zu verstehen und kontrollieren zu lernen, um  die Pferdereaktionen auf die eigenen Bewegungsimpulse interpretieren und darauf reagieren zu können. Wir alle wissen wie viel Überwindung es uns kostet  los zu lassen,  wenn wir selbst aus Angst erstarrt auf dem Pferd klemmen und das Pferd dann ebenso reagiert.

Gut reiten bedeutet sich selbst im Griff haben

Reiten lernen bedeutet darum auch immer wieder zu lernen mit Frustrationen umzugehen, da Pferde auf unser Unvermögen, es nicht in seinen Bewegungen zu stören, oder ihm etwas aufzwingen zu wollen, was es nicht leisten kann, reagieren. Und das manchmal durchaus auch sehr heftig. Immer wieder hat sich in den letzten Jahren die Unzufriedenheit und manchmal auch Hilflosigkeit des Menschen in der Suche nach neuen Methoden manifestiert, um dieses Problem einfacher lösen zu können. Wenn man gut reiten will gibt es aber nur einen Weg, nämlich an der  der eigenen Psychomotorik zu arbeiten (sprich Sitzschulung) und auch seine Einstellung dem Pferd gegenüber in den Griff zu bekommen. Verschiedenste Strömungen, wie Natural Horsemanship, Tellington T-Team und andere sind aus diesem Dilemma auf der Suche nach  Harmonie entstanden. Häufig führt das zu einem Streit zwischen den Methoden, der eigentlich nicht sinnvoll ist. Denn man kann auf Basis von Natural Horsemanship genauso harmonisch oder nicht harmonisch mit dem Pferd zusammenwirken wie man das auf klassisch traditioneller Basis sehr wohl oder nicht tun kann.

Ein Pferd bewegt sich so wie es sich fühlt

Lernen wir Menschen uns besser in das Wesen des Pferdes  zu versetzen und zu erfühlen was das Pferd fühlt, dann können wir direkt an der Antwort des Pferdes auf unsere Versuche ablesen, ob wir das was wir mit ihm tun in Harmonie mit ihm tun oder nicht. Wir merken eigentlich sehr direkt ob es sich schlicht wohl fühlt bei dem, was wir zusammen machen oder nicht. Ob das nun bei einer Dressurprüfung, beim Freilaufen und Spielen im Viereck oder Round Pen, beim Longieren oder bei einem Ausritt stattfindet. Wenn wir verstehen können, was das Pferd uns mit seiner Körpersprache erzählt und welche Stimmungen bei ihm an bestimmte Körperhaltungen und Bewegungen gekoppelt sind,  dann  sagt uns das meist sehr genau, was wir richtig und was wir verkehrt gemacht haben. Da Pferde sich in Bewegung und Körperhaltung mitteilen ist es wichtig Ver-spannung, Ent-spannung und An-spannung unterscheiden zu lernen und zu erkennen wann Bewegung fließt und wann sie irgendwo blockiert ist. Man könnte sagen – so wie ein Pferd sich fühlt so bewegt es sich und auch andersrum so wie es bewegt wird, so muss es sich auch fühlen. Dies kann man vom Boden aus sehen und vom Sattel aus sehr direkt fühlen.

Das Reitpferd muss alte Instinkte überwinden lernen:

Um sich ins Fühlen und Denken des Pferdes  hineinversetzen zu können, ist es wichtig sich die Natur des Pferdes vor Augen zu führen. Pferde sind Fluchttiere, die in sehr hoch entwickelten sozialen Verbänden zusammenleben, voneinander lernen, und die miteinander durch Bewegungsimpulse und Körperhaltung kommunizieren. Diese Struktur ihres Wesens und Spezialisierung ihrer Instinkte, ihrer Körperfunktionen und ihrer Sinne, genauso wie ihre Art und Weise zu denken und sich mitzuteilen hat sich in Jahrtausenden  entwickelt und steckt heute genauso  in jedem Pferd, ob Shetlandpony als Kamerad für die Kinder oder Spitzendressurpferd.

Eigentlich  - und das klingt uns Reitern nicht gut in den Ohren - sind Pferde nicht dazu geschaffen um geritten zu werden. Stärker noch, Etwas auf seinem Rücken signalisiert einem Pferd instinktmäßig, dass „Panik Phase 2“ angesagt ist. Denn sobald ein Raubtier auf seinem Rücken gelandet ist, dann hat das Pferd in Phase 1 nicht gut genug aufgepasst, die Zeichen seiner Sinnesorgane (Geruch, Auge,  Gehör) nicht gut genug gedeutet und ist nun gezwungen von seinem Verhaltensrepertoire   für solche Fälle - Flüchten  - umzusteigen auf das nächstfolgende Verhalten – sich Wehren. Das bedeutet den Angreifer durch den entsprechenden Körpereinsatz  abzuschütteln.

Das bedeutet, dass im Prinzip ein starker Instinkt dem Gerittenwerden entgegensteht. Für etliche massive Tierschützer ist das ein Argument um zu fordern, dass das Pferd eigentlich nicht geritten werden sollte. Dem entgegen  aber stehen eine ganze Menge andere Fähigkeiten des Pferdes, die es möglich machen mit dem Menschen auf dem Rücken sich auf einen Bewegungsdialog einzulassen, der zu erstaunlichen harmonischen Erlebnissen für Pferd und Mensch führen kann. Man denke an eine gelungene  Aufführung der Spanischen Reitschule, einer schönen Dressuraufgabe,  harmonisches Holzdrücken im Wald  oder  manche zirzensischen Lektionen,  .

Glücklicherweise helfen uns hier die soziale Ader des Pferdes, seine Bereitschaft zum Bewegungsspiel und seine exzellenten motorischen Fähigkeiten und sein ( vor allem motorisch begründetes) Lernverhalten dabei solche „Tänze“ mit unseren Pferden erleben zu können. Diese bereiten dann  offensichtlich auch beiden Partnern – dem geführten wie dem führenden - Freude.

Da das Pferd als soziales Herdentier überaus bereit ist sich anzupassen geht seine Bereitschaft sich vom Menschen etwas bieten zu lassen trotz der Kraft, über die es verfügt auch erstaunlich weit. Jeder, der ein junges Pferd auf humane und verantwortungsvolle Weise angeritten hat  weiß wie überraschend es ist, wie schnell und bereitwillig Pferde bemüht sind, sich anzupassen und mitzumachen. Über die Jahrhunderte haben sich Menschen respektvoll mit diesem Phänomen beschäftigt. Ein sehr schönes Beispiel sind die „Urdirectiven der Spanischen Reitschule“. (kürzlich neu herausgegeben in der Serie Bibliotheca Hippologica)

Das Pferd wurde  und wird gerade wegen dieser Eigenschaften leider aber  auch ausgebeutet und misshandelt. Vielfach wurden und werden Pferde „eingebrochen“ und arbeiten unter Zwang und Angst.  Aber es haben sich auch Methoden entwickelt, die es möglich machen,  das Pferd einfühlsam mit Freude und Spaß an der Sache zum Tanzpartner des Menschen zu machen. Dies zeigt das Pferd in seiner natürlichsten Ausdrucksform, der Körpersprache dann auch klar und deutlich. Das wird dann  im Allgemeinen durch uns Menschen als Ästhetisch erlebt. Wir können uns häufig nicht im  Detail darüber Rechenschaft geben, was nun eigentlich dieses Gefühl von Harmonie ausmacht, das uns dann überkommt, wenn wir so etwas sehen oder auch spüren können, wenn wir selbst als Reiter daran beteiligt sind. Genauso wie wir auch gleich merken, wenn wir als Reiter uns verspannen und das zu einer entsprechenden Reaktion des Pferdes führt.

Aus dem Gleichgewicht gebracht werden  ist für das Pferd Stress

Natürlich behält auch das weit ausgebildete Pferd das gelernt hat seinen Reiter zu akzeptieren seine natürlichen Instinkte. Es kann daher immer wieder zum Aufflammen des Panikinstinktes kommen. Je besser Pferd und Reiter aufeinander eingespielt  und der Reiter in der Lage ist, kontrolliert und mit Gefühl körperlich zu kommunizieren, desto mehr ist der Reiter imstande, dem Pferd auch  körperlich und psychisch die Sicherheit zu geben, die es etwa bei der Begegnung mit in seinen Augen gefährlichen Situationen benötigt um  nicht in Panik und Flucht verfallen zu müssen und es sich entspannt  mit seinem Reiter weiterbewegen kann.

Hin und wieder kann aber auch der Reiter selbst den Panikinstinkt „Hilfe, Raubtier auf dem Rücken“ hervorrufen. Etwa wenn er dem Pferd wehtut (im Maul, durch unsensible Einwirkung der Hand,in dern Rücken fallen, Klemmen mit dem Beinen)  oder auch dadurch, dass er das, auf Gleichgewicht orientierte Fluchttier, aus dem Gleichgewicht bringt. Dadurch kommt es in dieselbe Situation wie ein Tennisspieler, der bei einem Ball auf dem verkehrten Bein steht. Es kann nicht unmittelbar flüchten. Dieses Gefühl erzeugt beim Fluchttier Pferd auch Unwohlsein bis Stress. Erlebt das Pferd andererseits den Reiter als jemandem, der sich bemüht ihm beim Suchen des gemeinsamen Gleichgewichtes behilflich zu sein, dann  ist es zu erstaunlichen Dingen bereit um ihn wiederum beim der gemeinsamen Suche zu unterstützen. (Ich habe Pferde erlebt,  die sich und Ihre Reiter aus nahezu ausweglosen Situationen im Parcours zu retten wussten und dabei sehr zufrieden wirkten)

Darum ist das Anreiten eines Jungen Pferdes auch nichts für Reitanfänger, die lieber erst lernen sollten ein schon ins psychische und physische Gleichgewicht gebrachte Schulpferd zu reiten um da Gefühl einer Bewegung in Harmonie erwerben zu können..

Körperhaltung und psychisches und physiches Gleichgewicht

Aus dem Gleichgewicht wird ein Pferd auch gebracht, wenn es in eine Körperhaltung gezwungen wird, in der es den Reiter nicht ohne extra Bemühungen das Gleichgewicht zu bewahren und auf dem richtigen Bein zu stehen, tragen kann.

In der klassischen Reitkunst etwa trägt man diesen Eigenschaften des Pferdes Rechnung indem man Haltung und Hilfen des Reiters so konzipiert dass er  das Pferd nicht nur nicht stört oder ihm Schmerzen zufügt. Man bringt das Pferd auch in der Bewegung in Körperhaltungen, die es beim Gleichgewichtfinden unterstützt und die dann mit sich Wohlfühlen assoziiert werden können. Dadurch kann  das Pferd sich besser entspannen und den Menschen auf seinem Rucken nicht nur er- tragen kann, sondern merkt  auch noch, dass er ihm hilft sich besser bewegen zu können.(Geraderichten, Gewicht auf die Hinterhand bringen und den Rücken zum Aufwölben bringen gehörden zu diesen Maßnahmen)  Hierzu hat man die natürlichen Bewegungs- und Ausdruckmuster des Pferdes studiert und setzt diese auch sehr zielgerichtet in der Ausbildung und im Training ein. Gerät das Pferd in eine andere als die natürliche „Wohlfühlhaltung“, dann ist das mit körperlichem und psychischem Stress verbunden.

Beispiel weggedrückter Rücken:

Der Effekt eines weggedrückten Rückens auf die Psyche des Pferdes illustriert die Zusammenhänge zwischen psychischem und körperlichem Stress sehr deutlich. Ein weggedrückter  Rücken mit erhobenem Kopf (Unterhals) tritt vor allem in natürlichem Verband dann  auf, sobald ein Pferd einer möglichen Gefahr ins Auge blickt. (etwa auch wenn Reiter und Pferd im Gelände einen Traktor treffen) Weggedrückter Rücken ist daher sehr eng assoziiert mit der Mobilisierung von Panikreaktionen im Nervensystem. Das Pferd bereitet sich darauf vor Angst bekommen zu können und dann adäquat durch Flucht zu reagieren. Das äußert sich körperlich, aber auch psychisch..

Reitet man ein Pferd langfristig mit weggedrücktem Rücken, (etwa weil der Reiter im Mund stört oder schlecht sitzt, der Sattel nicht passt etc.), dann bedeutet das für das Pferd neben dem Schmerz im Rücken und der langfristigen Abnützung auch einen permanenten psychischen Stress. Das Pferd ist dann auch in permanenter psychischer Alarmbereitschaft und nicht imstande zu körperlich und psychischer Entspannung,  da es diese Körperhaltung mit Fluchtverhalten assoziiert.

Dadurch kann es sich auch nicht auf seinen Reiter konzentrieren und auch weniger gut lernen, da lernen auch immer mit positivem Erleben verbunden sein muss, um funktionieren zu können. Gelingt es dem Reiter nicht die Ursache abzustellen, dann verspannt sich das Pferd zusehends, geht dann auch nicht mehr taktrein, wodurch sein Gleichgewicht ebenfalls weiter gestört wird und so entsteht ein Circulus Vitiosus, der beinahe nicht mehr zu durchbrechen ist. Eigentlich befindet sich  das Pferd dann permanent psychisch und physisch auf oder nahe an der Flucht.

Körperliche Signale

Dies erkennt man dann auch an weiteren Körpersignalen: Die Atmung wird unregelmäßig das Pferd hyperventiliert manchmal, die Augen bewegen sich verstärkt. Man sieh das Weiße. Die Ohren wirken sehr unruhig, und zeigen nicht freundlich und offen für  Reiter und Umwelt abwechselnd nach vorne und hinten sondern signalisieren, dass es sich von der Außenwelt abschließen möchte, Das Pferd schwitzt, auch an Stellen, die im Training selbst nicht beansprucht werden. Der Schweif beginnt sich häufig irritiert zu bewegen. Die Bewegungen sind zwar aktiv aber unharmonisch. Sie wirken  hektisch, manchmal als „elektrisch“ zu umschrieben. Häufig werden Bewegungen nicht rund fertiggemacht sondern hektisch aneinandergereiht. Der Bewegungsfluss ist unterbrochen, selbst wenn das Pferd sich sehr aktiv bewegt.

Kennt man das Minenspiel des sich wohl fühlenden  und dennoch attent, aktiven und vertrauensvoll auf seine Umgebung gerichteten Pferdes, dann erkennt man, dass auch die Mimik klar signalisiert : „ich bin irritiert“ bis „ich bin nahe an der Panik“. Es kann dann auch zum Auskeilen, Bocken  und zu Fluchtreaktionen kommen. Ebenso kann ein Pferd stocksteif stehen bleiben. Ein Physiologe, der den Herzschlag misst, würde feststellen, dass ein permanent erhöhter Herzschlag ohne viel Variationen entsteht, der wiederum dem Pferd Panikbereitschaft signalisiert und es mobilisiert.

Wie sich dieser Stress langfristig auf welches Pferd auswirkt hängt sehr von seinem körperlichen und psychischen Entwicklung und Konstitution ab. Manche Pferde (meist von Natur geborene Herdenbosse) protestieren, andere werden sehr unsicher und andere  ertragen ihr Los dadurch, dass sie sich vergleichbar einem missbrauchten Kind aus ihrem Körper „beamen“ und  weitermachen ohne anwesend“ zu sein, bis es auch zu körperlichen Auswirkungen kommt. Auch Magengeschwüre bei solchen Reitpferden sind inzwischen nicht mehr selten.

Stress durch Bewegungsimpulse des Reiters:

Ähnliches spielt sich ab, sobald ein Reiter Bewegung abzwingen möchte, sich in der Bewegung steif macht, selbst Stress erlebt und sich verkrampft. Diese kann  instinktiv vom Pferd als die Aggression des Raubtieres oder Fluchtbereitschaft des Kameraden erlebt werden, der offensichtlich selbst unsicher geworden ist. Dies überträgt sich körperlich und psychisch auf das Befinden des Pferdes. Hieraus entstehen dann die entsprechenden körperlichen und geistigen Folgemechanismen. Wenn der Reiter dem Pferd auch noch Schmerzen zufügt oder es an der Bewegung hindert, dann kommen wieder etliche körperliche und psychische Mechanismen in Gang, die einem harmonischen Bewegungsdialog physisch und psychisch im Wege stehen können.

Auch diese äußern sich dann sehr klar im Körperausdruck des Pferdes. Vielen Reitern mit Turnierangst ist dieses Phänomen sehr vertraut. Da sie  sie entweder unbedingt gut reiten wollen und beinahe präventiv hacken oder ziehen und zu viel tun, oder aus eigener Nervosität verspannt sind und keine Bewegungsimpulse mehr rüberbringen. Das Pferd spiegelt dieses Verhalten klar in der Bewegung und seinem Ausdruck. Es wird hektisch, ängstlich, „ungehorsam“ oder es streikt. Gelingt es dem Reiter seinen eigenen Stress unter Kontrolle zu bekommen, dann kann man merken, dass das Pferd sich erleichtert  wieder entspannt und einen zufriedenen Ausdruck zeigt und es mit angenehmen Bewegungen dankt.

Man kann die Körperhaltung auch einsetzen,  um es Pferd und Reiter in bestimmten Situationen die Zusammenarbeit zu erleichtern. Stellt man ein aufgeregtes und dadurch von seinem Reiter abgelenktes Pferd  kurzfristig etwas (die Betonung liegt auf etwas) runder und tiefer ein, geht auf die Volte und unterstützt es im taktmäßigen schwingenden entspannten Vorwärtsgehen, dann kann man ihm erleichtern den Rücken aufzuwölben, wodurch es sich über die dementsprechende Bewegung auch psychisch wieder finden kann und es hierdurch auch wieder zu vermehrter Konzentration auf seinen Reiter imstande ist. Ist die Aufmerksamkeit und Entspannung wiederhergestellt, kann man wieder normal am Training weiterarbeiten.

Aktivierung durch  psychischen Stress

In der Geschichte des Reitsportes hat es immer wieder Strömungen und Versuche gegeben über erzwungene nicht als natürlich vorgegebene Körperhaltungen und Bewegungsmustern entstandene „Trainingshaltungen“ und „Gymnastizierung“   heraus   psychische Effekte beim Pferd zu erreichen. So kann man relativ leicht ein  Pferd in eine Körpersituationen zu bringen, die es zu einem gut funktionierenden „Stressbündel“ machen das hyperaktiv reagiert und sich in Extremsituationen bringen lässt in denen es einfach psychisch „weggebeamd“  auf spektakuläre Weise weiterfunktioniert. Man kann Pferde relativ leicht verunsichern und geistig und körperlich aus dem Gleichgewicht bringen, wodurch man sie –  unter Anwendung entsprechender Techniken oder Hilfsmittel (z.b. Schlaufzügel oder die falsch angewandte Kandare) wiederum besser beherrschen kann. 

Beinahe kein guter Reiter weiß nicht, wie er ein Pferd zu erhöhter Aktivität  veranlassen kann dadurch, dass er es aufgeregt macht. Gibt man einander widersprechende Hilfen, dann ist ein Pferd sehr schnell auf einem ziemlichen hohen Aktivierungsniveau. Das Vertrauen leidet zwar darunter aber die Bewegungen können spektakulärer werden.  Sieht man gut hin, dann erkennt man allerdings am Ausdruck des Pferdes, dass die extra Aktiivität durch Stress erkauft wurde. Augen, Mimik Atmung und Gesamtspannung entlarven den Trick.

Totale Kontrolle

Gerittenwerden in extremer  Stellung über einen längeren Zeitraum oder mit der Nase auf der Brust ruft bei einem Pferd ähnliche Reaktionen hervor. Das Gleichgewicht wird massiv gestört, die natürliche Balancestange, der Hals,  wird außer Funktion gesetzt. Das Pferd kann nicht sehen wohin es geht,  Alles Zustände, die für ein Fluchttier zu psychischem Stress führen müssen. Kommen dann noch mit Kandarenwirkung (und Schaufzügel)  Schmerzen im Maul, Ganaschenbereich und Genick  dazu, dann wird ein ähnliches vitioser Zirkel erreicht. Im Grunde wird ein  „Panikenergieniveau“ aufgebaut, wodurch das Pferd extremer reagiert.

Dazu kommt meist noch, dass das Pferd lernt, dass der Reiter nicht bereit ist auf seine Signale zu reagieren. Es muss weitergehen, ob es sich nun im körperlichen Gleichgewicht befindet oder nicht, ob es etwas sieht oder nicht. Der Kopf kann nicht selbständig bewegt werden, ebenso wenig der Hals. Wenn wir berücksichtigen, dass man ein Pferd durch Festhalten des Halses am Boden fixieren kann, kann (Raubtiere tun das auch) dann kann man sich die instinktmäßig vorprogrammierten   Auswirkung auf die Psyche des Pferdes gut ausmahlen. Der Reiter beherrscht das Pferd in diesem Moment wie das Raubtier, das es am Boden festhält. Protest ist beinahe nicht mehr möglich oder muss sehr heftig sein.

Learned Helplessness

Kommen dann noch Praktiken wie:  Zusammenreißen bis zum Stillstand, sofort wieder die Sporen geben, aufs Wegspringen wieder mit Hintenüberhängen, in den Bügeln stehen und am Zügel ziehen reagieren, dann erfährt das Pferd stets aufs Neue, dass es einfach mit extremer Bewegung der Beine Reagieren muss, was auch passiert. Und das Pferd tut das dann auch weil „nicht reagieren“ noch mehr Stress aufbauen würde. Manche Pferde (und vor allem Pferde die von Natur „heiss“, also temperamentvoll und bewegungsaktiv sind)  sind bereit sich (zumindest zeitweilig) an dieses Reaktionsmuster und den damit verbundenen Stress  zu gewöhnen, andere nicht.

Missbrauchte Kinder?

Im Prinzip wird ein Pferd durch solches Verhalten hilflos gemacht, wie das schon vorher zitierte missbrauchte Kind, das zwar merkt, dass da etwas nicht stimmt, aber immer wieder reagieren muss wie es von ihm erwartet wird. Man erhält, wenn man Glück hat  (zumindest eine bestimmte Zeit lang) ein „gut funktionierendes“  sehr aktives Pferd, dass sich zudem auch noch optimal kontrollieren lässt. Aber ebenso wie bei missbrauchten Kindern stellen sich im Allgemeinen dann doch irgendwann „Spätschäden“ ein. Viele dieser Pferde verweigern sich irgendwann einmal körperlich oder geistig doch, weil sie nicht mehr können.

 

„Abnormes“ Verhalten nach der Prüfung oder dem Training

Dies erklärt sicherlich warum derartige Methoden immer wieder  im Einzelfall oder in verschiedenen „Schulen“ im Reitsport auftauchen. Der Preis, den man oder besser die Pferde dafür bezahlen ist leider sehr hoch. Man erkennt am gesamten Bewegungsmuster, dass diese Pferde „unter Spannung stehen“, und dass diese Spannung meist auch nicht aufhört, wenn der Zügel lang und die Prüfung oder das Training vorbei sind. Manchmal ist es geradezu skuril wenn man enthusiasten Applaus hört und im Viereck ein gestresstes Pferd mit angstvollen Augen sieht, das eigentlich verzweifelt versucht sich in der Bewegung zu retten (flüchten) um Stress abbauen zu können. Die Pferde springen weg, wenn der Reiter nach der Huldigung wieder aufsteigen will, sie   piaffieren oder passagieren weiter, auch ist die Prüfung schon lange vorbei. Sie tauchen weg, wenn sie eigentlich erschrecken und wegspringen sollten. Auch Atmung., Schwitzen und Augen und Ohrenausdruck zeigen dann meist ein sehr verunsichertes und ängstliches Pferd und nicht, wie man das wünschen würde,  ein durch seine eigene Leistung zufriedenes, zwar noch aktives,  aber entspanntes Pferd, das mit seinem Reiter zusammen das Bewegungsspiel genossen hat. Leider glauben viele Neulinge, dass das erlebte Stressverhalten, normales Pferdeverhalten ist, und ein Sportpferd sich eben so verhalten muss.

Ich habe in meiner Jugend manchmal mehrmals in der Woche das Training der Spanischen Reitschule gesehen und da auch erlebt, dass Pferde zu Höchstleistungen animiert wurden. Aber ich habe immer entspannte und  mit ihrer Leistung zufriedene ruhige Pferde erlebt, die ihr inneres Gleichgewicht auch sofort nach einem Temperamentsausbruch wieder finden konnten und sich vertrauensvoll ihre Belohnung abholten.

Hier sind die Ausbilder an der Basis gefragt:

Als Reitlehrer achte ich immer besonders darauf, was das Pferd meiner Schuler mir durch seinen Körperausdruck erzählt und versuche für sie den Simultanübersetzer zu spielen.  Dann kann ich meist sehr schnell dem Reiter helfen wieder die Harmonie herzustellen, und dann auch selbst fühlen zu können welche Wirkung seine Korrektur an sich selbst auf das Pferd hat. Pferde sind in ihrem Wesen weniger kompliziert als wir Menschen und quittieren  das Wegfallen von Stress, Schmerz oder Behinderung meist sofort mit Entspannung. Sie nehmen auch nicht im menschlichen Sinne übel, sondern reagieren unmittelbar auf das, was ihnen an Reizen geboten wird. Gelingt es diesen Dialog bewusst zu erleben und auch zu beeinflussen, dann lernt der Reiter das, was man als Reitergefühl bezeichnet. Und was nichts anderes ist, als es dem Pferd zu ermöglichen in einer mit Wohlbefinden assoziierten Körperhaltung sich mit dem Reiter ohne störenden bedrohenden Stress bewegen zu können und diese Bewegung auch genießen zu dürfen.

Geht ein Pferd im Gleichgewicht, mit freundlicher Anlehnung über den aufgewölbten  Rücken, wodurch der Reiter keine Schmerzen im Rücken verursacht, und hat das Pferd die Möglichkeit hat,  seinen Hals als Balancestange zu gebrauchen, (für den Fall dass es  mal mit dem Reiter aus Balance kommt), dann besteht meist auch psychisch ein angenehmer Zustand, selbst wenn sich das Pferd rein leistungsmäßig anstrengen muss (was ihm als leistungsbereites  Fluchttier, das ja davon lebt sich selbst bei Kondition zu halten) nichts ausmacht.

Wohlfühlhaltung  im Dressurreglement genau beschrieben

Im modernen Dressursport hat man dieses Wohlfühlhaltung dann auch ins Reglement aufgenommen. Die dem jeweiligen Grad der Ausbildung entsprechende Geschlossenheit bis Versammlung vom Hinterbein aus, Rückentätigkeit und sich aus beidem ergebende frei getragener  Halshaltung mit aktiv  vom Pferd ausgehender  Anlehnung. Mit Genick als höchsten Punkt, Nase vor der Senkrechten, wodurch das Pferd entspannt im Ganschenbereich und Kiefer federn kann.

Auch werden Richter angeleitet um auf den Körperausdruck zu achten. Atmung, Schwitzen, Mimik und Harmonie der Bewegung sind hier weitere wichtige Kriterien. Schweifschlagen und Zähneknirschen können ebenfalls Zeichen sein, die beachtet werden sollten. Welche Muskel werden frei bewegt, welche festgehalten und angespannt. Wo fließt die Bewegung, wo nicht. Außerdem hat jedes Pferd durch seine gesamte Körperhaltung auch eine Ausstrahlung, die viel über sein Befinden selbst erzählt. Manchmal können selbst extra spektakuläre Bewegungen wie etwa ein extrem „elektrisches“ Hinterbein das mehr  aus dem Sprunggelenk angezogen als rund bewegt wird ein Zeichen dafür sein dass das Pferd sich nicht aus psychischer Ruhe sondern Druck so aktiv „für seinen Reiter“ anspannt oder besser verspannt. Beurteilung des Kriteriums Kontrolle vs. Zusammenarbeit könnte hier ein wichtiges Kriterium sein.

Frau Dr. Thiel  sähe es als Grand Prix Richter lieber, wenn ein Pferd, das aus dem Gleichgewicht gekommen eben den Kopf hochnimmt und danach wieder voll Vertrauen in den Reiter weitergeht  als ein Pferd, das bei Anlegen des Schenkels etwas mehr wegtaucht und vom Sprunggelenk aus hektisch das Hinterbein anzieht.

.Den Bewegungsausdruck sehen kann man lernen

Um die Körper- und Bewegungssignale richtig deuten zu können, muss man allerdings echt schauen lernen um sie auch wahrzunehmen und richtig zu interpretieren zu können. Es ist nämlich das Zusammenspiel von mehreren „Ausdrücken“, das das Ganze ausmacht. Kennt man diese Sprache, dann kann man sie lesen. Genauso, wie man bei manchen Schauspielern  angeben kann,  ob er echt wirkt oder nicht, kann man die echte und falsche Harmonie in der Bewegung und im Ausdruck auch erst instinktiv wahrnehmen lernen. Dann kann man in der Analyse der einzelnen Komponenten immer deutlicher erkennen woran man die momentane Befindlichkeit des Pferdes erkannt hat.

Ulrike Thiel erlebt es bei meiner Reitern wie auch Equitherapeuten im individuellen Unterricht wie auch in den Kursen, dass hier eine echte Schulung nötig ist. Genauso, wie man lernen muss zu sehen ob ein Pferd sich geschlossen auf der Hinterhand bewegt muss man lernen zu sehen, ob ein Pferd mit sich selbst, seinem Körper und seinem Reiter im Reinen ist, wenn es sich bewegt. Hierzu hat sie auch Lehrfilme entwickelt und arbeitet sie mit Beobachtungsbögen.

Sie  rät  darum jedem Reiter, der mit einem zufriedenen Pferd arbeiten möchte, sich selbst diesbezüglich zu schulen. Es ist auch gut um sich hin und wieder auf Video festhalten zu lassen,. Es ist wichtig das Gefühl vom Sattel aus auch am „externen Pferdeausdruck “ zu eichen. Manchmal haben Reiter jahrelang das Gefühl eines verspannten Pferdes als das subjektiv „richtige Gefühl in ihrem inneren Auge programmiert  und kennen kein anderes. Eines der vielen möglichen Missverständnisse zwischen Menschen und Pferden.

Ein Beobachtungsversuch

Auch ein Top Grand Prix Pferd kann sich nicht wohl fühlen

Im  Topsport geht es meist um sehr viel mehr als nur die Harmonie mit dem Pferd. Dadurch werden immer wieder Pferde im Training und auch im Turnier selbst so geritten, dass man an ihrem Gesamtausdruck erkennen kann, das Harmonie eben nicht besteht und das Pferd sich bei dem, was es tut nicht wohl fühlt. Das kann selbst bei mechanisch korrekt ausgeführten Lektionen noch der Fall sein.

Beobachtung mit Reitern, Richtern  und Nichtreitern

Ulrike Thiel  hat von 30  Reitern, Equitherapeuten, Richtern und  Nichtreitern nach Einschulung im Beurteilen des Pferdeausdruckes 10 Turnierprüfungen mit dem anschließendem Verlassen der Reitbahn beurteilen lassen. Beurteilt wurden ausschließlich Verhaltenskriteria des Pferdes, die auf sein Wohlbefinden schließen ließen. Interessant war, dass  diese Kriterien, bei allen Beurteilern, Reitern wie Nichtreitern mit mehr oder weniger technischem Knowhow zu identischen Beurteilungen geführt haben.( Psychologen sprechen von Reliabilität)

Pferde, die vor allem nach der Prüfung nicht in Gelassenheit die Bahn verlassen konnten wiesen auch in der Prüfung selbst bei korrekt gerittenen Lektionen Verhaltensmuster auf, die darauf hinweisen, dass das Pferd in dem Augenblick nicht im inneren Gleichgewicht war. Bei anderen Pferden ließen sich wiederum selbst in Situationen, in denen der Reiter Fehler machte und das Pferd diese korrigieren musste,  keine oder nur minimale Zeichen von Irritation feststellen.

Es wäre interessant um empirisch  systematisch zu untersuchen, welche technischen und vor allem auch „zwischenmenschlichen“ Aspekte in der körperlich-geistigen Interaktion zwischen Reiter und Pferd verantwortlich dafür sind, ob das Pferd sich bei dem, was beide zusammen unternehmen wohl fühlt oder nicht. 

Kriterien beim Beobachtungsversuch:

Körperliche Zeichen von Wohlbefinden

  • Bewegungsfluss harmonisch und zum  Takt passend
  • Rundheit der Bewegung.
  • Mimik stimmig
  • Entspanntes Genick und  locker im Ganaschenbereich.
  • Ruhiges aufmerksames Auge,
  • Ohren entspannt zur Situation  passend abwechselnd auf die Umgebung und den Reiter gerichtet.
  • Regelmäßige Atmung mit Betonung der Ausatmung (prusten)
  • Schweissentwicklung passt zur Bewegung, Trainingsintensität und der Kondition des Pferdes
  • Zufriedener harmonischer Körperausdruck in der Bewegung.
  • Anspannung und Entspannung der relevanten  Muskelgruppen sind stimmig.
  • Gesamtkörperausdruck positiv
  • Schweif pendelt passend zur Rückenbewegung

Beurteilt wurden beim Blindversuch während der Prüfung:

  • Atmung
  • Schweissentwicklung
  • Augen
  • Gesichtsaudruck Mimik
  • Schweifdrehen
  • Ohrenspiel
  • Muskelanspannung
  • Gesamtkörperausdruck

Nach Ende de Prüfung:

  • Körperausdruck
  • Interesse für Umgebung
  • Vertrauen zum Reiter
  • Vetrauen zur Situation
  • Taktmässigkeit
  • Ruhiger Schritt
  • Halshaltung
  • Rückentätigkeit von Hinterbein bis Genick
  • Mundtätigkeit

 

Weitere Beurteilungsskalen:

  • Spannung  vs.Entspannung
  • Selbstzufriedenheidt vs Unsicherheit
  • Atmung ruhig und schnaubend     vs  Atmung festgehalten
  • Blick „interssiert in der Runde schweifend vs auf unendlich fixiert
  • Ruhe und Ausgeglichenheit  vs. Zeichen von Stress und Hyperaktivität
  • Zufriedenheit mit eigener Leistung –vs. Ungerichtete Aufregung
  • Gesund erscheinende Anspannung –vs. nicht gesund erscheinende Spannung
  • Eifer vs.  Gehetztheit
  • Genießt Applaus und Belohnung vs. reagiert nicht auf Belohnung
  • Augenausdruck ruhig herumschweifend und fixierend  vs. herumschweifend ohne Kontakt
  • Ohrenspiel nach vorne und auf den Reiter gerichtet, angepasst  vs. ungerichtet wechselnd
  • Angepasste Aufregung vs.  Unangepasste Aufregung

Über die Autorin:

Dr Ulrike Thiel  (geb 1053) lebt als gebürtige Österreicherin in den Niederlanden wo sie in Cranendonck ein Institut für Hippische Sportpsychologie und Equitherapie leitet. .Sie hat in Ihrer Jugend vor allem „schwierige Pferde“ geritten und war aktiv in Dressur, Jagd, Springen und Vielseitigkeit. Später war sie im Dressursport als Reiter und  Richterin und Ausbilderin beschäftigt. Sie hat ihre Berufsausbildungen und Praxis nun mit dem Reiterlichen verbunden. Klinische Psychologin, Psychotherapeutin, Hippische-Sport-Psychologin, Ausbildung im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren (ÖKThR), Behindertenreitlehrer (ÖKThR) Amateurreitlehrerin (FENA), Voltigierinstruktor (FENA), Ausbilder Equitherapie (SHP-NL )
Ulrike Thiel arbeitet nach etlichen beruflichen Stationen als Psychologin mit eigener Praxis und im universitären, klinischen und wissenschaftlichen Bereich, als Gefängnispsychologin, Gerichtsgutachterin und Psychologin für das Jugendamt nun seit 10 Jahren in dem durch Sie gegründeten Institut „HippoCampus“. Dort betreibt sie Equitherapie mit ihren 7 vierbeinigen Co-therapeuten, bildet im Rahmen der SHP-NL (Stichting Helpen met Paarden) Equitherapeuten aus und versucht in Reitstunden Clinics und Kursen Reitern und Reitlehrern die über eine korrekte Technik hinausgehende Kommunikation zwischen zwei lebenden Wesen beizubringen. Dabei verwendet sie ihre Kenntnisse aus de Psychomotorik und der Lernforschung um Reitern und Pferden zu helfen einander besser verstehen zu lernen und in Harmonie das Bewegungsspiel zur beiderseitigen Erbauung ausführen zu können. Sie richtet sich dabei auf Freizeitreiter und auch Turnierreiter im Sport und ist davon überzeugt dass auch im Sport das Pferd mit Freude mitmachen kann, wenn der Reiter ihm dazu die Chance gibt.