Tradition und Wissenschaft im Einklang: Wie bewährte Prinzipien der Wiener Hofreitschule durch moderne Sportpsychologie und Psychomotorik bereichert werden.

Das Vertrautmachen des jungen Pferdes mit dem Menschen als Partner steht an erster Stelle: Es lernt „Manieren“, während der Mensch Dinge unternimmt, die auch dem Pferd Freude bereiten (Spazierengehen, Freilaufen, gemeinsames Spiel). So lernt das Pferd, den Menschen zu verstehen und sich auf ihn einzulassen, damit aus seiner Fluchttiernatur keine gefährlichen Situationen entstehen. Aufregung wird minimiert, da sie bekanntlich jedem Dialog und Lernen im Wege steht. Beim Anlongieren und der Longenarbeit werden Muskulatur und Sehnenstrukturen gezielt auf das Gerittenwerden vorbereitet. Dem Pferd wird die neue Technik des Gehens auf gebogenen Linien und das schrittweise Ausbalancieren trotz Reitergewichts vermittelt.
Auf großen Linien wird das Pferd unter dem Reiter in Balance gebracht und an das neue Bewegungsschema gewöhnt. Das Pferd beginnt, sich zu koordinieren und seine physischen Strukturen zu stärken, um im Zusammenspiel mit dem Reiter auf seinem Rücken das Fundament für die späteren Leistungsphasen zu legen.
Hier werden Wendungen geritten sowie nach der Skala der Ausbildung gymnastiziert und ausbalanciert. Das Pferd schließt sich zusehends; Kraft, Schnellkraft und Ausdauer werden systematisch entwickelt. Zu dieser Phase gehören selbstverständlich auch Geländearbeit, Gymnastikspringen und Cavalettiarbeit.
Die dressurmäßige Weiterentwicklung des Pferdes in Versammlung führt bis zum „Schulpferd“, was im Turniersport dem Grand-Prix-Niveau entspricht. Darauf aufbauend folgen die Schulen über der Erde (Schulsprünge und Levade), die aus der Kraft und Technik der zuvor erarbeiteten optimalen Versammlung entspringen.
Die Skala der Ausbildung darf nicht mit einem simplen Ausbildungsplan verwechselt werden. Sie bietet wertvolle Beurteilungskriterien, an denen man ablesen kann, ob ein Pferd pferdegerecht ausgebildet wurde und sich unter dem Reiter wohlfühlt. Die Schwierigkeit der gezeigten Lektionen sagt noch nichts darüber aus, ob die Skala erfüllt ist. Ein Grand-Prix-Pferd kann in einer Prüfung Kriterien verfehlen, während ein Freizeitpferd auf L-Niveau diese perfekt erfüllt. Es geht darum, wie sich das Pferd bewegt, welchen Ausdruck es zeigt und ob es in harmonischem Bewegungsdialog mit seinem Reiter steht.
Die Durchlässigkeit, die aus einer feinen Zusammenarbeit mit einem gefühlvollen Reiter resultiert, ermöglicht es, feinste Bewegungsimpulse zu nutzen. Der Weg ist das Ziel: Wichtiger als das Erreichen der Spitze der Pyramide ist es, die Stufen einzeln und korrekt zu nehmen, damit das Fundament trägt.

Um das Pferd optimal unterstützen zu können, sollte auch der Reiter die für ihn geltenden Lern- und Ausbildungsphasen durchlaufen. HippoCampus bietet professionelle Begleitung bei der klassischen Ausbildung von Reiter und Pferd – unterstützt durch moderne Lehrmethoden aus der Psychomotorik und Sportpsychologie (siehe Lehrmethoden).
Es gibt keine Methode, die diesen sukzessiven Aufbau abkürzen kann. Der Schlüssel zu pferdegerechtem Reiten liegt im beständigen Sich-selbst-Hinterfragen und in der Förderung eines harmonischen Bewegungsdialogs.